Es liegt im Wesen der Natur, dass das Leben geprägt ist von guten und von schlechten Momenten. Unweigerlich führt dies dazu, dass wir Momente mit positiven und Momente mit negativen Gefühlen erleben. Die Frage ist, ob wir es schaffen, rational mit diesen Momenten umzugehen. Mit rational meine ich, das wir noch im Vollbesitz unserer geistigen Kräfte sind.

Bereits Epiktet hat vor ca. 2000 Jahren gesagt:

Das Problem liegt nicht in den Dingen, sondern darin, wie wir die Dinge betrachten.

Was nicht heißt, dass ein Misthaufen auf einmal zum goldenen Palast wird. Dass wir durch positives Denken plötzlich nur noch schöne Dinge erleben.

Es ist vielmehr meine Überzeugung, dass Menschen ein gutes Leben führen, wenn sie es schaffen, dass Leben als solches mit Höhen und Tiefen zu akzeptieren und lernen, angemessen auf Situationen zu reagieren. Und das ist mitunter eine echte Herausforderung in einer Welt, in der sich jeder versucht von seiner besten und glücklichsten Seite zu zeigen.

Unsere Gefühle sind da, damit wir erkennen, was uns wichtig ist im Leben. Sie sind der Kompass zu unserem eigenen Wesen und der Kompass dafür, welche Grenzen wir brauchen. Und sie lehren uns, was wirklich wichtig im Leben ist.

Wenn wir sie verstehen lernen, wann und wie sie uns nutzen! Oder einfach zu akzeptieren und sich einzugestehen, dass es gerade schwierig ist.

Unsere Erwartungen und unsere Einstellungen bestimmen darüber, wie wir uns fühlen. Und solange wir etwas leugnen, erzeugt das eine Unstimmigkeit. Solange wir etwas „Schönfärben“ oder „Schwarzmalen“ erzeugt dies eine Unstimmigkeit. Diese Unstimmigkeit führt dazu, dass wir uns instinktiv nicht stimmig fühlen.

Wie oben erwähnt, ist es ein alte Weisheit, dass nicht die Dinge das Problem sind, sondern lediglich, wie wir die Dinge betrachten. Und dennoch lernen wir in keiner Schule, wie wir angemessener mit den Situationen umgehen können, die wir gerade erleben.

In meiner psychologischen Ausbildung zur „Rational emotiven Verhaltenstherapie“ habe ich mich zum ersten Mal auf die Erkundungsreise in die Welt von angemessenen Gefühlen begeben. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch, aber auch ein Mensch der sehr rational ist und es hat mich interessiert, wie diese beiden Welten denn überhaupt zusammengebracht werden können.

Albert Ellis vermittelt humorvoll ein neues Denken. Das Ziel seiner Denkschule ist es, das eigene Denken systematisch und rational zu hinterfragen und einen neuen inneren Dialog zu trainieren, der auf Wünschen anstatt auf starren Erwartungshaltungen beruht. Absolute Forderungen lassen wenig Raum für einen mitfühlenden und sorgsamen Umgang mit sich selbst und mit anderen. Wunschbasiertes Denken gepaart mit der Akzeptanz, warum es sein darf, dass unsere Wünsche nicht zwangsweise erfüllt werden müssen und dass sich dies unangenehm anfühlen darf, erlauben den Raum, mitfühlend und respektvoll mit sich und anderen umzugehen.

Und zwar erst einmal unabhängig von der Außenwelt. Das Ziel ist es, eine innere Haltung zu erlangen, die nützlich für uns sind. Eine Einstellung und Haltung mit der es möglich ist, die eigenen Bedürfnisse zu kommunizieren und souverän Grenzen zu setzen. Bildlich ausgedrückt: Es geht darum, vom wilden Pferd zu steigen und ruhig unsere Anliegen zu kommunizieren. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir gehört werden. Denn ich kenne keinen Menschen, der Freude daran hat, Jemanden zuzuhören, der gerade mit den apokalyptischen Reitern unterwegs ist (Kritik, Verteidigung, Verachtung, Mauern).

Das neue Denken, welches es erlaubt, angemessen zu Handeln hat für mich drei wesentliche Bausteine:

  1. Eigene Wünsche und Bedürfnisse Ausdruck verleihen.
  2. Situation ins Auge blicken und erlauben, welche angemessenen Gefühle damit verbunden sind.
  3. Akzeptanz, warum es so sein darf.

Das Schöne aber auch Schwierige an diesem Denken ist, dass wir das eigene Denken hinterfragen lernen. Die erste Herausforderung dabei ist es, bei sich selbst zu bleiben. Das neue Denkmuster dient lediglich dazu, die eigenen Impulse zu regulieren. Es hat noch keinen Einfluss darauf, wie wir uns nach Außen abgrenzen.

Die zweite Hürde ist es, zu verstehen, dass nicht alles, was wir denken, nützlich für uns ist. Da gibt es diese Momente, in denen man glaubt, es wäre sinnvoll, sich mal so richtig gehen zu lassen. Und ja, ich bin überzeugt, dass es kurzfristig besser ist, wütend zu sein, als die eigenen Gefühle zu leugnen. Nützlicher und langfristig gesünder ist es jedoch, das Denken so zu verändern, dass wir in der Lage sind, unseren Bedürfnissen eine Stimme zu geben.

Es macht also durchaus Sinn darüber nachzudenken, was mein eigenes Bedürfnis gerade ist. Sich einzugestehen, dass dieses Bedürfnis gerade nicht erfüllt wird und wie sich das anfühlt. Dafür ist es hilfreich, sich mit verschiedenen Gefühlen oder den dahinterliegendem Denken zu beschäftigen.

Albert Ellis unterscheidet zwischen nützlichen (rational, angemessen, gesund) und nicht nützlichen (irrational, unangemessen, ungesund) Gefühlen.

Nehmen wir zum Beispiel das Thema Schuldgefühl. Wenn wir uns schuldig fühlen, dann kreisen die Gedanken um die Schuld: Warum habe ich das getan? Wie konnte ich nur? Was bin ich nur für ein Mensch? Menschen, die diesen Dialog führen, sind damit beschäftigt, sich irgendwo im Loch zu verstecken. Die volle Aufmerksamkeit ist bei ihnen selbst. Ein Dialog mit der Umwelt ist nicht mehr möglich. Die Abwärtsspirale ist voll im Gang. Solange Menschen in diesem Denkmuster gefangen sind, gibt es keinerlei Handlungsoptionen. Der innere Dialog verselbstständigt sich.

Also braucht dieser Mensch ein neues Denken. Wie wäre es, wenn dieser Mensch sich erst einmal seine Bedürfnisse und Wünsche eingesteht. Und dann sich erlaubt, dass er sich in diesem einen Fall nicht nach seinen Wertvorstellungen verhalten hat und seine Handlung bereut.

Das neue Denken unterstützt ihn darin zu erkennen, dass er sich in einer gewissen Art verhalten hat, aber das dieses Verhalten ihn nicht als Person bestimmt. Ganz nach einem meiner Lieblingssprüche von Albert Ellis:

You are not a worm for acting wormly.

Wenn wir es dann noch schaffen, eine Akzeptanz für unsere Unvollkommenheit aufzubauen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass wir mitfühlend mit uns und anderen Menschen umgehen. Denn der letzte Baustein dient genau dazu: Zu erkennen, dass wir alle keine perfekten Wesen sind und Fehler machen. Wir sind keine Maschinen und gerade das macht uns so liebenswert.

Du willst mehr über die Methodik wissen, dann lese unsere BLOG-Reihe zu Selbstdisziplin:

1. Was ist Selbstdisziplin überhaupt?

2. Das ABC-Modell von Albert Ellis

3. Die Natur von rationalem und irrationalem Denken

4. Die Konsequenzen von rationalem und irrationalem Denken aus der Nähe

 

 

 

 

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